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Stellungnahme zum Thema RB Leipzig

RB

Einleitung

Die älteste Stadt Deutschlands hat sich nun fast 10 Jahre nach einer Rückkehr im DFB-Pokal gesehnt. Umso größer war die Euphorie nach dem Finalsieg im heimischen Moselstadion. Die Ungewissheit, welcher Gegner wohl die Reise an die Mosel antreten würde, machte viele von uns ein Stück weit wahnsinnig. Und dann war endlich der Moment der Wahrheit gekommen. Als bereits viertes Los zog Deniz Aytekin unseren SVE und die Spannung war riesig. Doch dann kam die Ernüchterung: RB Leipzig! Die meisten Gesichter, in denen vor wenigen Sekunden noch Spannung und Freude blitzten, wandelten sich schlagartig in Enttäuschung um.

Aber warum eigentlich?

Schließlich steht uns sportlich ein Champions-League-Teilnehmer und damit verbunden eine absolute Spitzenmannschaft gegenüber. Naja, für viele Fans verkörpert RB Leipzig die extrem bedenkliche Entwicklung des Fußballs. Werte wie Tradition oder Fankultur verlieren zunehmend mehr an Bedeutung, während die kommerzielle Entwicklung kaum noch aufzuhalten ist.

Wie begann diese Geschichte?

Die Geschichte von Rasenballsport Leipzig beginnt weniger mit Fußball als vielmehr mit Marketing. Red Bull fasste den Entschluss, dass man sich fußballerisch auch in Deutschland auf der ganz großen Bühne präsentieren möchte. Hierbei verfolgte man zunächst einen ganz anderen Plan. Man fragte damals bei Fortuna Düsseldorf, 1860 München sowie dem FC St. Pauli an und wollte dort ganz groß einsteigen. Alle drei Vereine gingen glücklicherweise nicht auf die wahnsinnigen Vorstellungen des Energy-Herstellers ein und lehnten ab. Hierbei sollte quasi die komplette Vereinsidentität verworfen werden und Dinge wie Vereinsfarben oder Wappen sollten zugunsten von Red Bull umfunktioniert werden.

Doch aus diesen Absagen wuchs nun der eigentliche Plan. Im Jahr 2009 gründete man das Konstrukt „Rasenballsport Leipzig“. Der Name ist hierbei übrigens ein cleverer Trick, um das Kürzel „RB“ einzubauen, da ein Verein in Deutschland keinen Markennamen tragen darf, weshalb „Red Bull Leipzig“ nicht möglich gewesen wäre. Um nicht, wie jeder andere Verein, in der untersten Liga beginnen zu müssen, erkaufte man sich das Oberliga-Startrecht des SSV Markranstädt. An diesem Punkt wird außerdem ziemlich deutlich, dass die Stadt Leipzig in diesem Fall gar keine Rolle spielt. Hätte ein anderer Verein zugestimmt, wäre das ganze Projekt in eine andere Stadt verlagert worden.

Hiermit war die Grundlage für das heutige Virus in die Welt gesetzt. Innerhalb von acht Jahren marschierte man quer durch alle Ligen und konnte sich tatsächlich bis in die Champions League ergaunern. Sportlich durchaus eine beeindruckende Leistung, die aber in Anbetracht der zur Verfügung stehenden Mittel hingegen eher wenig überraschend wirkt.

Was bedeutet die 50+1-Regel und wie trickst RB diese geschickt aus?

Die 50+1-Regel verhindert einfach gesagt, dass ein Investor die Kontrolle über einen Verein übernehmen kann, da der Mutterverein und seine Mitglieder die Mehrheit des Stimmrechts behalten. Um den Energy-Drink noch stärker vermarkten zu können trickst Red Bull diese Regel allerdings konsequent aus.

Man baut auf eine extrem eingeschränkte Mitgliederstruktur. In Leipzig sind derzeit lediglich 23 Mitglieder stimmberechtigt und allesamt stehen Red Bull ziemlich nahe. Es ist für Außenstehende nicht möglich, eine Mitgliedschaft mit Stimmrecht zu erwerben. Es besteht lediglich die Möglichkeit, eine passive Fördermitgliedschaft abzuschließen. Somit gibt man seinen „Fans“ keine Möglichkeit, den Verein aktiv mitzugestalten, sondern behält über eine Grauzone die volle Kontrolle.

Andere Vereine haben doch auch riesige Sponsoren. Warum ist es gerade im Fall Red Bull so dramatisch?

Selbstverständlich gibt es auch bei anderen Vereinen große Sponsoren. Viele würden nun das Beispiel Bayer Leverkusen nennen. Hierbei besteht aber ein ganz zentraler Unterschied. Der Verein entstand damals aus der Betriebssportgemeinschaft der Bayer-Werke und wurde gegründet, um einen Ausgleich zum Fabrikalltag für alle Mitarbeiter zu erschaffen. Die Verbindung zwischen Verein und Sponsor ist somit ein Stück weit historisch und damit auch ein Teil der Vereinsgeschichte. Daher ist auch die Erwähnung des Sponsors im Vereinsnamen kein Problem.

Bei Red Bull geht es ausschließlich darum, die möglichst größte Plattform zu bedienen. Wäre der beliebteste Sport in Deutschland Handball gewesen, dann hätten Mateschitz und seine Rasselbande vermutlich einen Handball-Verein gegründet. Tradition oder Vereinsidentität spielten dabei keinerlei Rolle. Der Verein sollte von Anfang an der Marke Red Bull sowie deren Interessen und Vorstellungen untergeordnet sein.

Der erschreckende Fall Austria Salzburg

RB Leipzig ist in Deutschland zwar durchaus einzigartig, aber das Netzwerk von Red Bull reicht mittlerweile über alle Kontinente. Das prominenteste Beispiel dürfte wohl in Salzburg zu finden sein. Hier zerstörte man den Traditionsverein Austria Salzburg. Nach der Übernahme wurde einfach alles geändert. Vom Wappen bis hin zum Vereinsnamen. Doch in Salzburg gab es Widerstand. Die aktive Fanszene wollte diesen Weg unter keinen Umständen mitgehen und deshalb gründete man die Austria neu. Heutzutage kickt man wieder in der 2. Liga und stand dem Konstrukt tatsächlich bereits in einem Pflichtspiel gegenüber. Dieses Beispiel ist abschreckend dafür, was einem Verein bei Übernahme eines mächtigen Konzerns drohen kann.

Worin liegt das Problem mit Multiclubownership und was steckt hinter den „Farmteams“?

Das Problem bezüglich Multi-Club-Ownership ist längst kein neues Thema mehr und auch kein exklusives Red Bull Problem. Kurz gesagt geht es hierbei darum, dass mehrere Vereine von einem einzigen Unternehmen kontrolliert werden. Innerhalb solcher Netzwerke übernehmen dann teilweise manche Clubs oft die Rolle von sogenannten „Farmteams“. Diese Teams dienen dann meist lediglich der Ausbildung von jungen Talenten, damit diese für den erfolgreichsten Club im Spinnennetz genutzt werden können. Im Fall von Red Bull kommt erschwerend hinzu, dass die Vereine wirklich keinerlei eigene Identität besitzen. Meistens sind Erscheinungsbild sowie Vereinsfarben und Logo bis ins kleinste Detail identisch. Lediglich der Stadtname weicht ab.

Besonders interessant wird die ganze Sache nun auf europäischer Ebene. Das UEFA-Regelwerk soll eigentlich verhindern, dass zwei Teams, die demselben Unternehmen gehören, im gleichen Wettbewerb antreten. Ein aktuelles Beispiel hierfür liefert Crystal Palace. Sportlich konnte man im Jahr 2025 den Sieg des FA Cups verzeichnen und qualifizierte sich hiermit sportlich für die Europa League. Da der Investor John Textor allerdings nicht nur Anteile in England, sondern auch in Lyon besitzt, wurde den beiden Teams eine gemeinsame Teilnahme untersagt. Es wurde entschieden, dass Crystal Palace den Gang in die Conference League antreten muss. Wer jetzt aufgepasst hat, der wird bemerken, dass mit Salzburg und Leipzig zwei Werbeprodukte von Red Bull in der Champions League antreten.

Aber das ist doch eigentlich nicht erlaubt?

Richtig! Aber hierfür hat der unbeliebte Energy-Hersteller wieder tief in die Trickkiste gegriffen. Man tauschte auf dem Papier die Führungspositionen aus, damit theoretisch beide Vereine von verschiedenen Personen geführt werden. Selbstverständlich blieb das Netzwerk von Red Bull im Hintergrund weiterhin aktiv. Die UEFA akzeptierte diesen Betrug tatsächlich und lies damit sowohl Salzburg als auch Leipzig an der Champions League teilnehmen.

Die Folgen für alle anderen Vereine liegen natürlich klar auf der Hand. Sowohl die Farmteams als auch die Teilnahme beider RB-Clubs im selben Pokal sorgen für einen klaren Wettbewerbsvorteil. Traditionell geführte Vereine müssen auf ihren eigenen Nachwuchs oder kostspielige Transfers setzen, während Red Bull auf ein weltweites Ausbildungsnetzwerk zugreifen kann.

Man hört immer wieder das Wort „Tradition“ im Kontext mit RB. Wo findet sich die Eintracht in diesem Thema wieder?

Mehrere Jahrzehnte bevor die Red Bull GmbH überhaupt in Planung war, legten 13 Männer am 11. März 1905 den Grundstein für eine bis heute andauernde Geschichte und gründeten den „Trierer Fußball-Club 1905“. In der Römerstadt sorgte dieses Ereignis in den Folgejahren für einen Aufschwung, weshalb sich einige Vereine in Trier gründeten. Unter anderem entstand hierbei im Jahr 1921 aus einer Fusion von „Vereinigten Rasenspielern 06“ und „Alemannia Trier“ der sogenannte „SV Eintracht-Trier 06“. Hiermit war der größte Rivale des TFC geboren und man lieferte sich einige Duelle um zu zeigen, wer in Trier das Sagen hat.

Am 05. März 1948 war damit allerdings Schluss. Man bündelte seine Kräfte und erschuf den heutigen „SV Eintracht-Trier 05“. Kurz nach der Fusion erreichte man sportlich die Oberliga Südwest, welche zum damaligen Zeitpunkt die höchste erreichbare Spielklasse war. Dort konnte der SVE sich mit Clubs wie dem verhassten Nachbarn aus Ostfrankreich oder dem 1. FC Kaiserslautern messen. In den darauffolgenden Jahren ging die Reise auf und ab, ehe man heutzutage in der Regionalliga Südwest antritt.

Warum wird man Fan von Eintracht Trier?

Fan von Eintracht Trier wird man garantiert nicht wegen der vielen Titel oder den großen Gegnern, auf die man jedes Wochenende trifft. Vielmehr haben die meisten Fans vermutlich eine Geschichte. Der Vater, der einen vor etlichen Jahren zum ersten Mal mit ins Moselstadion genommen hatte oder der Opa, welcher vielleicht selbst mal in Blau-Schwarz-Weiß aufgelaufen ist. Vielleicht waren es aber auch einfach die Schulfreunde, mit denen man das erste Mal zusammen gefiebert hat.

Am Ende des Tages ist die Art und Weise vielleicht auch zweitrangig. Diese Geschichten lassen sich nicht künstlich mit Geld erschaffen. Vielmehr zählt die Echtheit dieser Vereinsliebe. Eintracht Trier steht für die Stadt Trier und ihre Tradition.

Auch die vielen Jahre in der Oberliga konnten daran nichts ändern. Man blieb trotz allen Widerständen seinem Weg treu und wurde letztlich auch mit der Rückkehr in die Regionalliga belohnt. Mittlerweile kommen wieder so viele Zuschauer wie seit Jahren schon nicht mehr ins Moselstadion. Ein weiterer Beweis dafür, dass sich harte und ehrliche Arbeit irgendwann auszahlt.

Was bedeutet das nun alles für uns?

Nun können wir das Pokal-Los leider nicht einfach eintauschen, auch wenn das vermutlich jeder am liebsten tun würde. Was wir allerdings können, ist am Spieltag selbst zu zeigen, wer wir sind. Zeigen wir unseren Gästen, was diesen Verein schon seit Generationen ausmacht und was man eben nicht einfach nur mit ein bisschen buntem Papier kaufen kann. Auf geht’s Eintracht, mach das Wunder wahr!

Eintracht Trier seit 1905!


16. August 2026
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